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Torri del Benaco
(Lago di Garda)
Torri del Benàco hat sich den Charakter und die Faszination des
mittelalterlichen Städtchens bewahrt, das zwischen Mauern und Türmen rund
um seinen kleinen Hafen herum gewachsen ist. Der Hafen erinnert, aber
erneuert auch noch die Erinnerung an die Tradition der Fischer des
Gardasees. Die touristische Entwicklung hat Torri zu einem der
exklusivsten Seeorte werden lassen, mit so illustren Gästen wie André
Gide, Stephen Spender, Laurence Olivier, Vivien Leigh, Maria Callas und
Juan Carlos, dem König von Spanien. Auch Albisano, in exponierter Stelle
direkt am See, sowie Pai, ebenfalls am Seeufer liegend, gehören zum
Gemeindeterritorium. Die Strände von Torri liegen den ganzen Tag in der
Sonne. Hier läßt es sich hervorragend segeln und windsurfen, während gut
ausgestattete Plätze zum Tennisspielen einladen und im nahegelegenen
Marciaga ein Zentrum zum Golfspiel existiert. Unzählige Wege eignen sich
für Wanderschaften zu Fuß und mit dem Fahrrad.
Die Umgebung
Das Hinterland von Torri del Benàco besteht aus einem sanft herabfallenden
hügeligen Küstenstreifen, mit Wein und Oliven bebaut und sehr wohl
geeignet zu Spaziergängen zu Fuß und mit dem Fahrrad. Inmitten der stillen
Landschaft stehen oftmals kleine Kirchen, isoliert von den Wohnsiedlungen
und mit wunderbarem Ausblick. Noch viel häufiger sind die typischen
Kapitelle, Orte alter Volksanbetung. Zu den Besonderheiten des Ortes
gehören das Pflänzchen „Citrus Albidus“ oder der wilde Salbei, welche sich
außer an einigen seltenen Orten Liguriens, Sardienien und Korsikas nur
hier auf diesem kleinen Stück zwischen Torri und Crero finden lassen. Auch
die Felszeichnungen, die man in der Gegend besichtigen kann, sind von
großem Interesse.
Die Geschichte
Das Gebiet von Torri ist sicherlich seit der Frühgeschichte an bewohnt
gewesen. Im Zentrum des Ortes selber haben einige Ausgrabungen Pfahlbauten
ans Licht gebracht sowie Stein- und Keramikfunde aus dem Bronzezeitalter
(zweites Jahrtausend v.Chr.). Auch die Felsgravierungen, die Speere und
bewaffnete Krieger darstellen, sind von großem Interesse. Im ersten
Jahrhundert vor Christus erfolgte die Eroberung durch Rom und der Bau des
Schloßturmes am Seeufer.
Nach den barbarischen Invasionen war Torri vielleicht auch weiterhin die
wichtigste Zivil- und Militäransiedlung am östlichen Ufer des Gardasees.
Diese Funktion ist unter König Berengario I. (X. Jahrhundert) noch
verstärkt worden, als dieser sich in Torri aufhielt und hier sowohl den
noch immer existierenden Turm auf dem Kirchplatz (di „Torre“ (den Turm)
Berengarios“) wie auch den mächtigen, den Ort umgebenden Mauerring bauen
ließ. In einem Dokument aus dem Jahre 904 finden wir zum ersten Male den
Namen "Tulles“, was sich auf diesen Ort bezieht, während in anderen
Dokumenten von „Castrum Torrium“ die Rede ist. Torri organisierte sich im
Anschluß daran zu einer Freien Gemeinde und genoß nun, zum großen Teil dem
gutgehenden Wollhandel zu verdanken, eine glanzvolle Periode. Das Schloß,
der Uhrenturm und viele Häuser des Zentrums gehen auf diesen Zeitraum
(XIV. Jahrhundert) zurück. Das Gebiet ging danach in die Hände der
Scaligeri (1277-1387), in die der Visconti aus Mailand (1387-1405) und
schließlich an die Republik Venedig (1405-1797). In Torri fand sich der
„Consiglio della Gardesana dall Acqua“ zusammen, eine Föderation von zehn
Gemeinden, mit relativer Verwaltungs- und Steuerfreiheit. Der schöne
Palast aus dem 15. Jahrhundert, der der Sitz des „Consiglio“ (des Rates)
gewesen ist, steht noch immer, gut restauriert und heute zu einem Hotel
geworden, direkt gegenüber dem Hafen des Örtchens.
Mit dem Kongreß von Wien (1815) wird Torri ein Teil des Königreichs
Lombardisch- Venetien unter den Österreichern 1866 wird es an das
Königreich Italien angeschlossen, und dann gehört es zur italienischen
Republik. Das ganze 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hindurch
ernährt sich der Ort mehr schlecht als recht hauptsächlich von
Landwirtschaft (Oliven- und Weinanbau), vom Fischfang im See und von
Kleinhandel. Die Einwohner mußten zu einem großen Prozentsatz auswandern,
nach Tirol, nach Deutschland und sogar nach Amerika. Eine kleine Fabrik
zur Olivenverarbeitung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und eine Fabrik
für Marmorgranulat (Anfang des 20. Jahrhunderts) konnten nicht ausreichen,
die Bevölkerung vor einer sehr armen Wirtschaft zu bewahren. nach dem
zweiten Weltkrieg aber begann die Tourismus sich zu entwickeln, und die
Situation änderte sich langsam sehr entscheidend. Heute ist Torri zu einem
florierenden Zentrum geworden, das sich sehr gut in das ökonomische Leben
Norditaliens hat einreihen können.
Sehenswürdigkeiten
Die mächtigen Stadtmauern, das gut restaurierte Schloß sowie die
Struktu¬ren der ältesten Wohnungen verleihen Torri del Benàco sein
unverwech¬selbares Aussehen, in welchem die Erinnerungen an die
mittelalterliche Vergangenheit und die Lebendigkeit eines modernen
Touristenzentrums miteinander verschmelzen. In den umliegenden Vierteln
sowie auf den Hügeln der Umgebung stehen häufig isolierte und das Land
beherrschende Kirchlein und halten oft genug völlig unerwartete
mittelalterliche und Re¬naissance-Kunstschätze unter ihrer Obhut. Wie an
der und Durchgängen (den sogenannten volti“) und mit neuen überraschenden
Durchblicken auf Schritt und Tritt. Meistenteils Handelt es sich um
Volksarchitektur, welche die Daten einer antiken Tradition widerspiegelt,
die bei den unaufhörlichen Restaurierungs- und Umbauarbeiten auf das
Sorgfältigste respektiert wird.
Die berühmten Persönlichkeiten
Domizio Calderini, den man für den größten Humanisten im Gebiet des
Gardasees hält, ist in Torri del Benàco 1444 oder 1445 geboren worden.
Nachdem er in Verona und Venedig studiert hatte, begab er sich nach Rom,
wo er enormen Erfolg mit seinen Vorlesungen über die froßen La¬teindichter
errang. Sein Werk besteht im Wesentlichen aus Kommentaren zu Martial,
Statius, Juvenalis und Ovid. Er starb im Alter von nur fünfund¬dreißig
Jahren als Opfer der Pest. Kurz nach seinem Tode begab sich Agnolo
Poliziano nach Torri, um die Papiere durchzusehen, die Calderini
hinterlassen hatte. Bei dieser Gelegenheit diktierte er auch die Worte,
die auf dem marmoren Grenzstein unter dem Eingangstor des Hotels
„Gar¬desana“ eingraviert sind. Torri ist auch der Geburtsort des
Seliggesproche¬nen Giuseppe Nascimbeni (1851-1922), des Gründers des
relgiösen Or¬dens der „Piccole Suore della Sacra Famiglia“ (Kleine Nonnen
der Heiligen Familie).
André Gide
André Gide erreichte Torri im Jahre 1948 und er blieb dort bis zum 13.
September. „Ich erinnere mich nicht“ schrieb er an einen Freund gegen Ende
seines Aufenthaltes, „jemals eine so lange Abfolge von schönen Tagen
erlebt zu haben. Es ist die reinste Exstase“. Bevor er Torri dann verließ,
dankte er den Autoritäten der Stadt mit einem Brief, der noch heute
gerahmt im Rathaus hängt und welcher folgendermaßen endet: „Aus der
wunderbaren Erinnerung, die ich von meinem Aufenthalt bewahren kann, werde
ich die Kraft schöpfen, den rauhen Verlauf des Winters zu ertragen“.
Die Felsgravierungen
Im Gebiet von Torri sind unzählige Felsgravierungen auf den von Gletschern
aller Epochen glattgeschliffenen Felsen entdeckt worden. In der Tat kann
man dort Darstellungen von Kriegern und Reitern aus dem Bronze- und dem
Eisenzeitalter sehen, aber auch zahlreiche Bootsdarstellungen aus
Mittelalter und Moderne. Die „Pietra (Stein) di Griselle“ und die Pietra
die Cavalieri (Stein der Reiter) Kann man besichtigen, wenn man einen
kurzen Spaziergang zu Fuß über San Vigilio und auf den Monte Luppia,
entlang einem ausdrücklich ausgewiesenen Weg macht, der durch einen
Mischwald aus Stein- und Sommerreichen sowie Buchen führt.
Das Schloß
Das Schloß ist unter der Herrschaft von Antonio della Scala, dem letzten
der Scaligeri-Herren 1383 in seinem ursprünglichen Zustand aufgebaut
worden. Nur wenige Jahre später (1387) wurde das neue Schloß jedoch durch
die Visconti aus Mailand wieder zerstört, die für kurze Zeit ihre
Vorherrschaft über das gesamte Gebiet geltend machen konnten. Einer der
Gründe für den Verfall des Schlosses war der Einsatz von Schießpulver, was
die nach alten Systemen studierten Festungen weniger wirkungsvoll hat
werden lassen.
Der Uhrenturm
Der Turm wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter den Scaligeri
errichtet, als ein Teil eines komplexen Verteidigungssystems, dessen
stärkster Punkt das Schloß war. Der Reichtum von Mauern und Festung
beweist die Wichtigkeit , die die Siedlung Torri als Standort für die
Oberherrschaft über das obere Seeufer gehabt haben muß.
Der Turm des Berengario
Zu Beginn des X. Jahrhunderts ließ Berengario I., der König Italiens, der
sich auch in Torri aufhielt, mitten im Zentrum eine Festung errichten,
welche als die letzte Verteidigung dienen sollte im Falle, daß bewaffnete
Feinde es schaffen würden, in den Ort einzudringen. Der „Turm von
Berengario“ ist der zuletzt übriggebliebene von vier Türmen, die die vier
Ecken der Festung verstärkt hatten.
Der Palast der „Gardesana dall Acqua“
In diesem Palast aus dem 15. Jahrhundert, der im Nachhinein mehrere Male
umgebaut wurde und der heute zu einem Hotel geworden ist, versammelte sich
vom XV. bis zum XVIII. Jahrhundert der als „Gardesana dall Acqua“ bekannte
Rat der Föderation von zehn Seegemeinden. Das Ziel dieses Bundes war es,
in Selbstverwaltung und in dem ausmaß, welches von der Republik Venedig
zugelassen war, die Steuern einzusammeln und den Schmuggel zu bekämpfen.
Die Pfarrkirche
Die Kirche ist in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts (1731
geweiht) auf den Ruinen der vorherbestehenden mittelalterlichen Kirche
erbaut worden. Der Glockenturm ist 1732 über einem der Türme der alten
Stadtmauer aufgerichtet worden. Das Bild des Hochaltars aus dem 16.
Jahrhundert im inneren der Kirche trägt den Namen des Malers und das
Datum: Sabastiano Aragonese, 1558.
Die Kirche der „Santissima Trinità“
Im XIV. Jahrhundert errichtet, war die Kirche Sitz der religiösen
Zeremonien, die anläßlich des Konzilstreffens der Gardesana feierlich
abgehalten wurden. Sie weist sehr gut erhaltene Fresken aus dem 15.
Jahrhundert auf.
Die Kirche von San Faustino
Nur wenige Meter vom Seeufer und von Torris Zentrum auch nur einen kurzen
Fußspaziergang entfernt, steht die Kirche San Faustino aus dem XV.
Jahrhundert, auf genau jener Stelle errichtet, an welcher einst die
Einsiedelei der Heiligen Faustino und Giovita gestanden hatte. In ihrem
Inneren bewahrt die Kirche ein Fresko aus dem XV. Jahrhundert auf sowie
das Grab eines anderen Eremiten, Pietro Malerba, gestorben 1469.
Die Kirche von San Siro in Crero
Das Kirchlein steht in atemberaubend schöner Position, steil über einem
Tal, den See beherrschend. Es wurde 1713 erbaut und 1719 geweiht. Der
Glockenturm stammt erst von 1880. Das Viertel von Crero ist übersät mit
Bauernhäusern, welche nach den Geboten einer spontanen, aber die
traditionellen Typologien des Ortes respektierenden Architektur erbaut
worden sind.
Das Museum des Scaligero-Schlosses
Mit Hilfe eines Rundganges durch zehn Säle erläutert das Museum einige
Aspekte der materiellen antiken Kultur in der Gegend von Torri,
präsentiert dabei die wichtigen Charakteristiken des Territoriums, und man
kann gleichzeitig das Schloß selber besichtigen:
1.Saal der Kalfaterer
In dieser Abteilung wird die Aktivität der Kalfaterer präsentiert,
Handwerker, die mit dem Bau und dem Reparieren von Fischerboten
beschäftigt waren.
2. Saal der Oliven
Der Saal illustriert den Anbau von Oliven, die wichtigste ökonomische
Tätigkeit der Bauern des Oberen Sees: Von besonderem Interesse die
ausgestellten Arbeitswerkzeuge wie etwa ein Transportschlitten oder eine
kleine „Hausmacher“ - Presse.
3. Presse
In dieser Abteilung befindet sich die Rekonstruktion einer Presse zum
Olivenmalen, deren steinerne Teile noch aus originalem Stein aus römischer
Zeit sind.
4. Saal des Fischfangs
Dies ist der erste museale Saal in Italien, der sich mit dem Thema des
Fischfangs in Binnengewässern auseinandersetzt; es gibt einige sehr
seltene alte Netze zu bewundern, eine „Flachgondel“ des Gardasees und fast
sämtliche Netze und sonstigen Geräte, die die Fischers des Sees heute im
Gebrauch haben.
5.Das Gewächshaus
An der Südseite des Schlosses finden wir eines der letzten noch
funktionierenden Südfrucht - Gewächshäuser am Gardasee, aus dem Jahr 1760.
Im Ort spricht man von der „Limonaia“ (Zitronenhaus).
6. Die Türme
Von der Höhe der Laufgräben ist es möglich, das wunderbare Panorama des
charakteristischen Hafens und des Zentrums von Torri zu bewundern,
außerdem einen großen Teil des Sees, von Sirmione bis Limone.
7. Der Saal der „Antichi Origianari“
In diesem Saal wird Dokumentationsmaterial ausgestellt, welches die
Geschichte und die Aktivität der Korporation der Fischer der „Antichi
Originari“ von Torri und von Garda behandelt. Die Korporation ist 1452
gegründet worden und noch heue aktiv. Die ausgestellten Netze dienen zum
Fang der Maifische.
8. Der Saal des Modells
Ein Modell reproduziert den Ort torri, wie er zu Beginn des 20.
Jahrhunderts aussah; zwei große topographische Karten aus venezianischer
Zeit vermitteln eine klare und detaillierte Idee vom Gebiet von Torri
gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
9. Der Saal der Felsenzeichnungen
Diese Sektion illustriert - mit Hilfe von Karten und Originalabzügen - das
interessante Phänomen der Felszeichnugen des Gardasees, welche besonders
in der Gegend von Torri in großer Zahl und teilweise aus prähistorischer
Zeit aufgefunden worden sind.
Wanderungen und Ausflüge
Die Verwaltung von Torri hat fünf unterschiedlich lange von zwei bis zu
fünf Stunden) Rundwege für Spaziergänge zu Fuß vorbereitet. Diese Wege
sind durch unterschiedliche Farben am Wegrand gekennzeichnet.
1. Die Straße der Kirchen. Auf zweieinhalb Stunden ebenen Weges mit
häufigen Aussichtsstellen lassen sich fünf verschiedene Kirchen aus dem
14. oder 15 Jahrhundert aufsuchen; man trifft außerdem auf eine Quelle,
eine alte Wohnsiedlung sowie weite Olivenkulturen.
2. Die Straße nach Crero. Dieser Weg dauert 4 - 5 Stunden. Durch Felder
und Buchen- und Eichenwäldchen gelangt man nach Crero, in dessen Nähe man
auf den „großen Stein“ trifft, den größten Felsen am ganzen See mit
prähistorischen Zeichnungen. Bei der Ortschaft Prandine läßt sich „Cistus
albidus“ finden, der wilde Salbei, den es nur hier und in sehr wenigen
anderen Orten auf der ganzen Welt gibt.
3. Straße der „Castei“. Ein Rundweg von zehn Kilometern, der sich in 4 - 5
Stunden schaffen läßt. Man steigt den Hügel bis zu den Aussichtspunkten
„Cà Brè“ und „Murette“ hinauf, wo sich die am See zuerst entdeckten
Felszeichnungen befinden. Von fast allen Wegen, die auf diesem Rundgang
bewandert werden, hat man einen großen Teil des Sees vor Augen.
4. Durch die Wälder von Albisano. Dieser Rundweg führt durch die Pai und
Albisano umgebenden Schwarzbuchen, Stein- und Sommereichen sowie
Eschenwälder.
5. Von Pai bis nach San Zeno die Montagna. Ein Rundweg, der so manche
recht anstrengende Steigung aufweist, was aber vollstens durch den schönen
Blick und den Reichtum von Fauna und Flora kompensiert wird. Hier kann
man, wenn man Glück hat, Füchse, Hasen und Dachse antreffen, und aus der
Vogelwelt auch den Mäusebussard oder die Nachtigall.
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